Im Rahmen ihrer digitalen Veranstaltungsreihe „Schlaglichter“ griff die FDP-Landtagsfraktion Nordrhein-Westfalen ein hochaktuelles Thema auf: den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Schule. Unter dem Titel „Von der Kreide zur KI: Lernen, Leistung und Prüfen neu denken“ stand der Austausch darüber im Mittelpunkt, wie Schule mit der rasanten technischen Entwicklung Schritt halten kann – und muss.
Deutlich wurde: KI ist längst Teil des Schulalltags vieler Schülerinnen und Schüler. Sie wird für Hausaufgaben, Recherchen oder Textarbeiten genutzt – oft ganz selbstverständlich. Schule hingegen reagiert auf diese Entwicklung bislang uneinheitlich. Klare Regeln, zeitgemäße Unterrichtskonzepte und angepasste Prüfungsformate fehlen vielerorts. Damit bleiben große Chancen ungenutzt, während gleichzeitig Unsicherheiten bestehen.
In der Diskussion wurde hervorgehoben, dass KI gezielt in den Unterricht integriert werden sollte, da entsprechende Kompetenzen im späteren Berufsleben unverzichtbar sind. Gerade im Umgang mit Fake News kann KI sowohl Herausforderung als auch Lernchance sein: Schülerinnen und Schüler müssen lernen, Inhalte kritisch zu hinterfragen und zwischen verlässlichen und manipulierten Informationen zu unterscheiden.
Auch bei den Hausaufgaben bietet KI Potenzial – etwa durch verständliche Erklärungen, die zum Teil eine bessere Unterstützung bieten als das elterliche Umfeld. Darüber hinaus kann KI Lehrkräfte entlasten, beispielsweise als Korrektur- und Feedbackhilfe, und neue Prüfungsformate ermöglichen, die stärker kompetenz- und prozessorientiert sind. Besonders betont wurde die Möglichkeit einer individuellen Förderung, die auf die jeweiligen Lernbedarfe der Schülerinnen und Schüler eingeht.
Ein zentrales Thema war die notwendige Ausstattung der Schulen: Schulen brauchen ein verlässliches Budget für Lizenzen von KI-Tools sowie für Fort- und Weiterbildungen der Lehrkräfte, um passgenau auf ihre jeweilige Schülerschaft reagieren zu können. Dabei sollte der Fokus nicht ausschließlich auf US-amerikanischen Anwendungen liegen, sondern auch auf europäischen, datenschutzkonformen Lösungen.
KI kann zudem bei der Berufsorientierung unterstützen und neue Perspektiven eröffnen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Einsatz von KI einen Kulturwandel für Lehrkräfte bedeutet: Die Rolle verändert sich weg von der alleinigen Wissensvermittlerin bzw. dem Wissensvermittler hin zu einer begleitenden, moderierenden Rolle. Lernen wird zunehmend zu einem gemeinsamen Prozess, bei dem Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler miteinander und voneinander lernen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt war das Zusammenspiel von KI und Inklusion. KI kann Teilhabe erleichtern, etwa durch individuelle Unterstützungsangebote, sie kann aber auch neue Hürden schaffen. In diesem Bereich befinden sich viele Entwicklungen noch im Aufbau – gleichzeitig zeigt sich hier ein großes Potenzial.
Fazit der Veranstaltung: Digitales Lernen und der reflektierte Einsatz von KI müssen verbindlicher Bestandteil schulischer Bildung werden. Dafür braucht es klare Rahmenbedingungen, Investitionen in Technik und Qualifizierung sowie den Mut, Schule neu zu denken.
Diskutiert wurde mit
Lewis Erckenbrecht, Referent Bildung beim bitkom e. V.,
Quentin Gärtner, ehemaliger Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz.
Die Moderation übernahm Franziska Müller-Rech MdL, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und schulpolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion NRW.