Landeselternschaft der Realschulen in NRW e.V. - für die qualitative Realschule

vom Schulministerium als Mitwirkung berechtigt anerkannt

Landeselternschaft der Realschulen in NRW e.V.

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Bericht zum Verbändegespräch im Schulministerium am 04.11.2026

Am 04.11.2026 fand auf Einladung von Schulministerin Dorothee Feller ein weiteres Verbändegespräch im Schulministerium statt. Die Elternverbände hatten im Vorfeld die Möglichkeit, ihre Fragen und Themen einzureichen. Frau Feller hatte diese gebündelt und verschiedenen Themenbereichen zugeordnet, die im Rahmen des Gesprächs nacheinander behandelt wurden.

1. Individuelle Förderung

Datengestützte Qualitätsentwicklung

Zu Beginn erläuterte Frau Feller die Hintergründe für die Einführung einer datengestützten Schulentwicklung. Nach den teilweise schlechten Ergebnissen bei PISA und anderen Bildungsstudien habe sie gemeinsam mit ihrem Team untersucht, warum andere Bundesländer und Länder bessere Ergebnisse erzielen. Dabei sei deutlich geworden, dass die datengestützte Schulentwicklung dort eine wichtige Rolle spiele. Aus diesem Grund habe sich auch das Schulministerium entschieden, diesen Weg in Nordrhein-Westfalen einzuschlagen.

Herr Schnelle erläuterte anschließend die geplante Umsetzung. Grundlage dafür sind drei verschiedene Datensätze:

  • Erster Datensatz: Datenblatt zur Schule. Hier werden grundlegende Informationen erfasst, beispielsweise die Anzahl der Schülerinnen und Schüler, der Migrationsanteil und der Sozialindex der jeweiligen Schule.
  • Zweiter Datensatz: Ergebnisse der Qualitätsanalysen. Diese geben Aufschluss über die Qualität der schulischen Arbeit. Dabei wird geprüft, ob Qualitätsanalysen künftig häufiger stattfinden sollen. Insbesondere bei entsprechendem Bedarf sollen sie öfter durchgeführt werden.
  • Dritter Datensatz: Ergebnisse aus Prüfungen und Lernstandserhebungen. Dazu gehören unter anderem Prüfungsergebnisse und die Ergebnisse von VERA 8.

Alle Daten sollen zusammengeführt und sowohl für die einzelnen Schulen als auch für die Bezirksregierungen ausgewertet werden. Die Ergebnisse sollen auch anderen Schulen zur Verfügung gestellt werden um Vergleiche zwischen den Schulen zu ermöglichen.

Darüber hinaus sollen weitere Daten, beispielsweise aus dem Schülerfeedback, in die Auswertungen einfließen.

Wenn eine Bezirksregierung feststellt, dass eine Schule wiederholt Schwierigkeiten hat und die Ergebnisse nicht zufriedenstellend sind, soll die Schulleitung zu einem Gespräch eingeladen werden. Gemeinsam sollen mögliche Ursachen und Lösungsansätze erarbeitet werden. Das Ministerium stellt hierfür verschiedene Unterstützungsangebote zur Verfügung, beispielsweise LEO zur Förderung der Lesekompetenz oder PIKAS im Bereich Mathematik.

Frau Honecker von der KED regte an, das Schülerfeedback um die Frage zu erweitern, ob Schülerinnen und Schüler ohne zusätzliche Nachhilfe in der Schule zurechtkommen. Hintergrund ist eine Umfrage der KED, bei der zahlreiche Schülerinnen und Schüler angegeben hatten, auf Nachhilfe angewiesen zu sein. Das Ministerium nahm diesen Vorschlag auf und möchte darüber nachdenken.

FerienIntensivTraining – FIT in Deutsch

Im Anschluss wurde das FerienIntensivTraining – FIT in Deutsch vorgestellt. Frau Reinlein vom Schulministerium erläuterte, dass sich das Angebot an Schülerinnen und Schüler richtet, die noch nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. Sie erhalten in den Ferien die Möglichkeit, ihre Sprachkenntnisse gezielt zu verbessern. Es handelt sich dabei um eine landesweite Förderung. Das Angebot richtet sich ausdrücklich nicht an Schülerinnen und Schüler, die lediglich Schwierigkeiten im Schulfach Deutsch haben.

Das Elternnetzwerk machte auf Schwierigkeiten bei der Antragstellung aufmerksam. Diese sei sehr kompliziert und die Rückmeldungen erfolgten teilweise äußerst kurzfristig. Gerade bei Rückfragen sei dies problematisch. Hinzu komme, dass die zuständigen Ansprechpartner bei den Bezirksregierungen im entsprechenden Zeitraum häufig nur schwer erreichbar seien. Es wurde daher darum gebeten, die Rahmenbedingungen zu überprüfen und zu verbessern.

Frau Reinlein bestätigte, dass die Antragstellung tatsächlich sehr komplex sei. Da es sich um eine landesweite Förderung mit klaren Vorgaben handele, müsse genau geprüft werden, welche Schülerinnen und Schüler die Voraussetzungen erfüllen. Sie sagte jedoch zu, Rücksprache mit den Bezirksregierungen zu halten, damit während der Antragsphase verlässlich eine Ansprechperson zur Verfügung steht.

Potenzialanalyse in Klasse 5

Auch die Potenzialanalyse in Klasse 5 wurde angesprochen. Frau Feller betonte nochmals ausdrücklich, dass die Ergebnisse mit den Eltern besprochen werden müssen. Wenn sich daraus ein entsprechender Förderbedarf ergibt, sollen auch konkrete Maßnahmen eingeleitet werden.

2. Prävention

Antisemitismus-Prävention

Ein weiterer Themenblock beschäftigte sich mit der Prävention von Antisemitismus an Schulen. Seit 2023 sei ein deutlicher Anstieg antisemitischer Vorfälle zu beobachten.

Frau Feller berichtete, dass das Schulministerium hierzu in engem Austausch mit der Organisation SABRA, den jüdischen Gemeinden sowie dem Integrationsministerium stehe.

Den Schulen stehen bereits zahlreiche Materialien zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es Beratungsstellen bei den Bezirksregierungen, an die sich sowohl Eltern als auch Lehrkräfte wenden können.

Herr Frimer vom Schulministerium bot den Elternverbänden an, an einem gemeinsamen Treffen verschiedener Organisationen zu diesem Themenbereich teilzunehmen. Dabei könnten die bestehenden Strukturen und Unterstützungsangebote näher vorgestellt werden.

Dieses Angebot nehmen wir gerne an, da es wichtig ist, die vorhandenen Ansprechpartner und Möglichkeiten der Unterstützung besser kennenzulernen.

Schulische Gedenkstättenfahrten

Im nächsten Punkt ging es um schulische Gedenkstättenfahrten. Frau Feller betonte, dass ihr dieses Thema persönlich besonders am Herzen liege. Sie habe selbst bereits eine gemeinsame Fahrt mit einer Schulklasse nach Auschwitz unternommen.

Dabei sei es ihr wichtig, deutlich zu machen, dass Erinnerungsarbeit nicht ausschließlich durch große Fahrten zu weit entfernten Gedenkstätten stattfinden müsse. Auch regionale Gedenkorte und digitale Angebote könnten einen wichtigen Beitrag leisten.

Frau Feller berichtete außerdem, dass sie mit Schulleitungen über die Vermittlung dieses sensiblen Themas gesprochen habe. Insbesondere bei Kindern, die nicht in Deutschland aufgewachsen sind, müsse man darauf achten, die historischen Zusammenhänge verständlich zu erklären. Nicht alle Schülerinnen und Schüler wüssten, was damals geschehen sei. Dabei könne es auch sinnvoll sein, Bezüge zu historischen Ereignissen und Verbrechen in den Herkunftsländern der Familien herzustellen.

Schulhofgespräche der Polizei

Auch das Programm der Schulhofgespräche der Polizei wurde thematisiert. Da sich das Angebot als sehr vielversprechend erwiesen habe, soll es verstetigt und weiter ausgebaut werden.

Diese Entwicklung begrüßen wir ausdrücklich. Präventionsangebote, bei denen Polizei und Schülerinnen und Schüler miteinander ins Gespräch kommen, können einen wichtigen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis und zur Stärkung der Sicherheit an Schulen leisten.

3. Inklusionspauschalen und Schulbegleitung

Im nächsten Themenblock ging es um die Inklusionspauschalen und die Finanzierung der Schulbegleitung. Hintergrund waren Befürchtungen, dass es hier zu Kürzungen kommen könnte.

Frau Feller stellte klar, dass keine Kürzungen vorgesehen seien. Allerdings gebe es Überlegungen, die bisherige Organisation der Schulbegleitung zu verändern.

Sie erläuterte, dass es inzwischen an manchen Schulen und insbesondere in einzelnen Klassen sehr viele Schulbegleiter gebe, sodass dort teilweise zahlreiche Erwachsene gleichzeitig im Klassenraum anwesend seien. Deshalb werde überlegt, künftig grundsätzlich nur noch eine Schulbegleitung pro Klasse vorzusehen, die für alle Schülerinnen und Schüler mit entsprechendem Unterstützungsbedarf zuständig wäre.

Individuelle Lösungen sollen nach diesen Überlegungen nur noch in besonderen Ausnahmefällen genehmigt werden.

Aus Elternsicht ist dabei entscheidend, dass die notwendige individuelle Unterstützung der betroffenen Kinder weiterhin gewährleistet bleibt. Der tatsächliche Unterstützungsbedarf des einzelnen Kindes darf bei organisatorischen Veränderungen nicht aus dem Blick geraten.

4. Lehrkräftebesetzung

Ein weiterer Gesprächspunkt war die Lehrkräftebesetzung, insbesondere die sogenannten Vorgriffsstellen.

Hier wurde deutlich, dass die Vorgriffsstellen, die ursprünglich im Zusammenhang mit der Umstellung von G8 auf G9 geschaffen worden waren, in diesem Jahr nun für die Gymnasien benötigt wurden. Dadurch fehlen diese Lehrkräfte an anderen Schulen. Die Folge ist, dass dort inzwischen häufiger Unterricht ausfällt. Sowohl Eltern als auch Lehrkräfte sind mit dieser Situation unzufrieden.

Das Ministerium versucht deshalb, dort Unterstützung zu schaffen, wo die Probleme besonders groß sind. Dies soll durch Abordnungen von Lehrkräften aus Schulen erfolgen, an denen die personelle Situation weniger angespannt ist.

Kurzfristig sieht das Ministerium derzeit offenbar keine weiteren Möglichkeiten, um die Situation zu verbessern.

5. Schulmitwirkung

Zum Abschluss wurde über die Schwierigkeiten bei der Elternmitwirkung an Schulen gesprochen.

Elternmitwirkung bei Volljährigkeit der Schülerinnen und Schüler

Ein Thema war die Frage, inwieweit Eltern nach Eintritt der Volljährigkeit ihrer Kinder weiterhin an der schulischen Mitwirkung beteiligt werden können.

Mit der Volljährigkeit der Schülerinnen und Schüler endet grundsätzlich auch die Elternmitwirkung in den schulischen Gremien. In einigen Gremien besteht für Eltern anschließend noch die Möglichkeit, mit beratender Stimme teilzunehmen. In der Schulkonferenz können sie außerdem bis zum Ende des jeweiligen Schuljahres weiterhin mitwirken.

Frau Feller machte deutlich, dass sie an dieser Regelung zunächst nichts ändern möchte. Ihr sei wichtig, dass junge Menschen mit Erreichen der Volljährigkeit zunehmend selbst für ihre Interessen eintreten. Dies sei auch ein wichtiger Bestandteil der Demokratiebildung. Jugendliche sollten lernen, ihre Anliegen selbst zu vertreten und Verantwortung zu übernehmen.

Kommunikation zwischen Schule und Eltern

Ein weiterer Punkt war die Kommunikation zwischen Schulen und Eltern. Hier gibt es erhebliche Unterschiede. An manchen Schulen werden unterschiedliche digitale Plattformen genutzt, während an anderen Schulen teilweise überhaupt keine einheitlichen Kommunikationsmöglichkeiten vorhanden sind. Das führt bei Eltern häufig zu Unsicherheiten und erschwert eine verlässliche Kommunikation.

Frau Feller erläuterte, dass hierfür nicht das Schulministerium, sondern die jeweiligen Schulträger zuständig seien.

In diesem Zusammenhang fragte die LERS nach, wann das angekündigte Gutachten zur Klärung der Zuständigkeiten veröffentlicht werde. Frau Feller erklärte, dass dieses Thema bereits in der letzten Schulausschusssitzung des Landtags besprochen worden sei.

6. Abschluss

Wir bedanken uns bei Frau Ministerin Feller für die Einladung und die Möglichkeit zum offenen Austausch. Die Gelegenheit, die zuvor eingereichten Fragen der Elternverbände gemeinsam zu besprechen, ist wichtig, um die Anliegen der Eltern direkt an das Schulministerium heranzutragen.

Der Austausch hat erneut gezeigt, wie vielfältig die Herausforderungen an unseren Schulen sind. Entscheidend wird sein, dass aus den Gesprächen konkrete Verbesserungen entstehen und die Perspektive der Eltern bei der weiteren Entwicklung der Schulpolitik in Nordrhein-Westfalen berücksichtigt wird.

Wir freuen uns auf den weiteren Dialog und bedanken uns auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Schulministeriums für die Vorbereitung und Begleitung des Gesprächs.

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