Frau Mauermann, Frau Laux und Frau Zeißig haben die Landeselternschaft der Realschulen in NRW sowie weitere Beteiligte eingeladen, die Pilotierung des AO-SF-Verfahrens gemeinsam weiterzuentwickeln. Dieser Einladung sind wir gerne gefolgt.
Erste Rückmeldungen aus der Praxis
Zu Beginn des Treffens hatten alle Teilnehmenden die Möglichkeit zu berichten, ob sich bereits betroffene Eltern gemeldet haben und welche Rückmeldungen es gibt.
Da das neue Verfahren erst Ende letzten Jahres gestartet ist, liegen bislang noch nicht viele Erfahrungsberichte vor. Die bisherigen Rückmeldungen zeigen jedoch deutlich:
- Eltern fühlen sich häufig nicht ausreichend aufgeklärt und mitgenommen.
- Die Anträge werden als schwer verständlich empfunden.
- Viele Eltern haben das Gefühl, nicht genau zu wissen, was sie unterschreiben.
- Besonders beim Thema zieldifferenter Unterricht ist oft nicht klar, welche Auswirkungen dies langfristig auf den Bildungsweg des Kindes hat – insbesondere im Hinblick darauf, dass kein regulärer Schulabschluss erworben wird.
Hier besteht aus Sicht aller Verbände noch deutlicher Informations- und Transparenzbedarf.
Austausch zu zentralen Themenfeldern
Im weiteren Verlauf konnten wir unsere Einschätzungen zu fünf Themenbereichen einbringen:
- Prävention
- Diagnostik
- Transparenz im Prozess
- Aufklärung
- Sprachverständnis
Transparenz, Aufklärung und Sprachverständnis
Diese drei Bereiche wurden gemeinsam diskutiert. Ein zentrales Ergebnis war:
- Einfache, alltagsnahe Sprache mit kurzen und klaren Sätzen schafft Transparenz und Vertrauen.
- Fachbegriffe sollten verständlich erklärt werden.
- Ein Ablaufschema für Eltern wäre hilfreich, um den Prozess nachvollziehbar zu machen.
Ein besonders wichtiger Vorschlag war ein zweistufiges Verfahren:
- Informationsgespräch:
Erklärung, was das AO-SF-Verfahren ist und welche Konsequenzen es für das Kind haben kann. - Bedenkzeit für die Eltern
- Zweites Gespräch mit Unterschrift
Zudem sollten Eltern klar darüber informiert werden:
- Wo sie sich unabhängig beraten lassen können
- Welche Ansprechpartner es außerhalb der Schule gibt
Diagnostik
Der Begriff „Diagnostik“ wird häufig stark mit Medizin verbunden und führt dadurch zu Missverständnissen. Es wurde angeregt zu prüfen, ob stattdessen der Begriff „Testung“ verwendet werden kann, um die Schwelle für Eltern niedriger zu halten und Ängste abzubauen.
Prävention
Prävention nahm ebenfalls breiten Raum ein. Das Ministerium stellt hierzu bereits eine umfangreiche Sammlung von Materialien zur Verfügung. Schulen sind aufgefordert, daraus ein eigenes Präventionskonzept zu entwickeln.
Alle Beteiligten waren sich einig:
Gute Prävention ist der beste Weg, damit Kinder möglichst kein AO-SF-Verfahren durchlaufen müssen.
Das Treffen war von einem konstruktiven und offenen Austausch geprägt. Die Verbände werden den weiteren Prozess weiterhin kritisch-konstruktiv begleiten, damit Transparenz, Verständlichkeit und Elternbeteiligung im Mittelpunkt stehen.